Was ist Natur-Coaching und Outdoor-Coaching?

Coaching ist ein personenzentrierter Beratungsprozess, der – als Hilfe-zur-Selbsthilfe verstanden –
den Menschen als Experten seiner eigenen Probleme, Themen und Anliegen begreift. Er unterstützt ihn dabei, seine individuellen Potenziale und Lösungsressourcen zu aktivieren.
Dabei ist es die Aufgabe des Coachs Perspektiven und Handlungsoptionen sichtbar bzw. erlebbar zu machen ohne dabei die Ziele, Absichten oder Wünsche des Klienten zu bewerten. Coaching unterstützt das Sich-selbst-bewusst-sein und fördert die Achtsamkeit. Die Haltung des Coaches ist wertschätzend und neutral. Authentizität, Empathie und Vertraulichkeit sind Wesensmerkmale des Coaches.

Der Naturcoach und Natur-ProzessbegleiterIn überträgt o.g. Aspekte in den Naturraum und erweitert sein/ ihr methodisches Spektrum um adaptierte Techniken (Interventionen, Visualisierungen, Fragetechniken, Szenische Arbeit, Kreativarbeit, systemische Gesprächsführung etc.). Zusätzlich arbeitet der Naturcoach mit ganz eigenen Methoden und Instrumenten, die in einem klassischen Setting (Seminarraum, Praxis etc.) nicht umsetzbar wären.
Naturcoaching/ Naturprozessbegleitung kombiniert klassisches (systemisches) Coaching und Beratung mit Naturerlebnis, Bewegung und Selbsterfahrung. Es spricht die Ebenen Geist, Emotion und Körper (Kopf-Herz-Hand) an und ermöglicht ein erfahrungsbasiertes Lernen und Wachsen. Eigenverantwortliches Handeln in einem ausgewählten Naturraum steht dabei im Zentrum des Coachingprozesses. Der Naturcoach begleitet und fördert die natürlichen Prozesse und gibt Impulse aus seinem Wissen über und seine Haltung zur Natur.

Beim Naturcoaching geht es nicht um Extremsport oder Grenzüberschreitungen. Es handelt sich vielmehr um einen kreativen/ alternativen Beratungs-Ansatz, der um die Qualitäten der natürlichen Umwelt (Elemente, Landschaft usw.) erweitert wird.

Wie arbeiten Naturcoachs/ Outdoor-Coachs? Wie läuft ein Naturcoaching ab?
Ein Naturcoach (Outdoor-Coach) kennt die Wirkung von Naturkontakt und Bewegung auf den Coachingprozess und setzt diese im Sinne des Klienten gezielt ein. Dabei ist es mal der Aufenthalt in der Natur als Erleben mit allen Sinnen an dafür ausgewählten Orten mit besonderen Qualitäten. Dann ist es das Fortbewegen draußen in der Natur, welches neben der körperlichen Aktivierung, Lebenswege oder Entscheidungen thematisiert. Oder es ist das ungewohnte „Setting Natur“ an sich, welches als Kontrast zur gewohnten Lebens- und Arbeitswelt, Herausforderungen bereithält,
die völlig neue Erfahrungen ermöglichen und sich tief verankern. Denn in der Natur ist ein unmittelbares Erleben möglich. Naturcoachingmethoden sind z.B.:

  • Naturspaziergang, Walk & Talk
  • Natur “lesen” lernen – Symbole in der Natur nutzen (Lebensweg, Karriere-Chart, Rollen, Konflikte)
  • Spuren (Inner Tracking), Baumgespräch, Ressourcen
  • Weitwinkel und Aktivieren der Sinne, Wahrnehmung (Selbst-Bewusst-Sein, Achtsamkeit)
  • Interventionen in der Natur, Grenzen, Orientierung
  • Erleben und Handeln in ausgewählten Naturräumen
  • Bewegung und Veränderung (Wandercoaching, Outdoor-Coaching)
  • Adaptieren von klassischen Coachingtools in das Natursetting (Bsp. Gegenwind, Diagnose des Systems)
  • Achtsamkeit, Wahrnehmung, Ziele (Visionen)
  • Visualisieren, Symbole und Aufstellungsarbeit mit Naturmaterialien
  • Szenische Arbeit, Kreativarbeit
  • Mit Analogien und Metaphern aus der Natur arbeiten

Wie wirkt Naturcoaching/ Outdoor-Coaching? Die „Wirkung“ der Natur
Wir staunen immer wieder, wie sehr der Kontakt mit der Natur das Bearbeiten von privaten oder beruflichen Anliegen unterstützt. Die Natur ist dabei mal Lehrerin, mal Co-Coach oder einfach nur Quelle der Inspiration. Abseits von Erfahrungswerten aus unserer Arbeit gibt es aber auch zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse und empirische Daten, die unser Staunen begründen, so z.B.:

  • Naturkontakt fördert die Kreativität (vgl. Ulrich Gebhard)
  • Natur mindert Stress, Stress hemmt „weise“ Entscheidungen und Heilung (Richard Louv)
  • Bewegung in der Natur gilt allg. als gesundheitsfördernd (diverse Studien v.a. aus dem Bereich der Prävention)
  • Naturkontakt an sich kann eine Intervention darstellen. Diese angemessene Irritation des etablierten Systems hilft aus der Komforzone in die Lernzone zu gelangen. (Systemtheorie, Erlebnispädagogik)
  • Natur fördert die Achtsamkeit und aktiviert alle Sinne. Dadurch wird mehr von der Welt „wahrgenommen“ (vgl. Achtsamkeitstherapie, Jon Kabat-Zinn)
  • Natur fördert lernen und Eigenverantwortung (vgl. Gerald Hüther)
  • Naturkontakt fördert Aha-Erlebnisse, die fast immer am Anfang eines Lernprozesses stehen (vgl. Lerntheorie, Sprachpsychologe Karl Bühler)
  • Durch Naturaufenthalte werden Flowerlebnisse erzeugt, bei der Menschen sich in einer Balance zwischen Herausforderungen und Kompetenzen bewegen (Positive Psychologie, Motivationstheorien)
  • Landschaften und Naturphänomene fördern die assoziativen und gestalterischen Fähigkeiten (Landscape Research)
  • Erleben von Lebendigem in der Natur aktiviert Spiegelneuronen, die maßgeblich die Fähigkeit, Empathie zu entwickeln, fördern (vgl. Rizzolatti)
  • „Nichts-Tun“ in der Natur kann zur positiven Langeweile führen, die es braucht um kreativ zu werden oder die Situation in der man sich befindet zu hinterfragen (vgl. These der Beschleunigung der Moderne)
  • Naturaufenthalt fördert das Prinzip der Zugehörigkeit und des Verbundenseins (vgl. systemische Naturtherapie, Kreszmeier und Hufenus)
  • Naturerlebnisse erhöhen die Selbstwirksamkeit (vgl. u.a. Selbstwirksamkeitstheorie und Selbstkonzept in der humanistischen Psychologie)
  • Naturkontakt fördert den Selbstwert, da Menschen mehr über sich selbt herausfinden. Wertschätzung und Dankbarkeit für die eigenen Ressourcen sind die Basis für Veränderungen (vgl. das Selbstwertkonzept)
© Anke Kossak & Patrick Kempf

Ansatz und Ethik
Unser Ansatz ist vom systemischen Denken geprägt, wir betrachten neben dem Klienten auch das System (z.B. Familie, das Team) welches ihn umgibt. Zudem arbeiten wir lösungsorientiert, d.h., dass der Coachingprozess zielstrebig auf eine Lösung oder eine positive Veränderung hinarbeitet. Wir stellen einen schützenden, vertrauensvollen Rahmen und wertschätzen die Vielfalt der Menschen, der Kulturen und der Natur gleichermaßen. Bei unserer Arbeit schätzen und nutzen wir die Natur ohne sie auszunutzen. Die Arbeitsweise von Naturcoachs in Bezug auf ihre Methoden und Ideen transparent.

Der Klient als Experte
Wir betrachten den Menschen als selbstbestimmtes, ganzheitliches Individuum. Als Experte für sich selbst in der Bearbeitung seiner Themen und die Lösung seiner Probleme. Beim Naturcoaching hat diese Dimension einen besonderen Stellenwert, da wir unter anderem mit den Elementen in Raum und Zeit arbeiten. So kann der Klient in Ruhe seinen Weg finden, während der Coach im Hintergrund für einen unterstützenden Rahmen sorgt. Wenn nötig steht er dem Klienten mit seinem Wissen und passenden Methoden (z.B. Interventionen) zur Seite.

Der Naturraum
Die Arbeit in der Natur öffnet, anders als ein Raum mit 4 Wänden, einen lebendigen und inspirierenden Lernraum, der die indivduellen Potenziale des Klienten zu Tage födern kann. Die Entwicklung findet dabei nicht nur auf geistiger, sondern auch auf emotionaler und vor allem körperlicher Ebene (z.B. durch Bewegung) statt. Dieses sog. handlungsorientierte, aktive Lernen in und mit der Natur ist in unseren Augen ein besonders lebendiger und intensiver Weg zur Persönlichkeitsentwicklung.

Methoden und Interventionen
Die Methoden die wir einsetzen kommen aus den Bereichen klassisches Coaching, Naturmentoring, Outdoor-Training und erlebnisorientiertes Lernen. Viele Methoden wurden von uns weiterentwickelt und so an das Arbeiten in und mit der Natur angpasst.

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